Schon seit über 30 Jahren
Die Ökumenische Sozialstation Bendorf-Vallendar
... was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst,
und des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? (Psalm 8,5)
Schon seit über 30 Jahren gibt es die Ökumenische Sozialstation. Das sind über 30 Jahre gelebte Ökumene im Dienste des Nächsten, ein Zeitabschnitt, auf den wir mit Stolz und Dankbarkeit zurückblicken. Gleichzeitig veranlasst eine solche Zeit auch dazu, das eigene Tun regelmäßig kritisch zu reflektieren, den Standort neu zu bestimmen und Perspektiven für das zukünftige Handeln anzudenken.
Viele kirchliche Träger von sozialen Einrichtungen zur Betreuung von kranken und pflegebedürftigen Menschen stöhnen unter den sich ständig erhöhenden finanziellen Belastungen. Seit Jahren geht die Personalkostenschere immer weiter auseinander, die Löhne und Nebenkosten steigen, während die Höhe der Vergütungen und die zur Verfügung stehenden Budgets begrenzt sind.
Vor diesen Hintergründen fragen sich viele Verantwortliche in den kirchlichen Gremien, wie lang sich die örtlichen evangelischen und katholischen Gemeinden die Trägerschaft einer eigenen Sozialstation zur Alten- und Krankenpflege noch leisten können.
Wir verfügen über eine gesetzliche Pflegeversicherung, ein bewährtes Krankenversicherungssystem und ein eng gestricktes staatliches soziales Netz, das uns in der Vergangenheit für alle Eventualitäten Sicherheit versprach. Die bald täglichen Kommentare und Berichterstattungen in den öffentlichen Medien lassen jedoch Zweifel an der Nachhaltigkeit der genannten Sozialsysteme aufkommen.
Die demographische Entwicklung in unserem Land, die veränderten gesellschaftlichen Strukturen wie berufliche Flexibilität und Mobilität von Mann und Frau und damit oftmals verbunden die Aufgabe der traditionellen familiären Sicherheit, bedingen zusätzlich eine stetig steigende Nachfrage nach sozialer Absicherung und Hilfe.
Wir sind davon überzeugt, daß der Staat allein mit diesen Aufgaben überfordert ist. Die Kosten für die Betreuung und Versorgung der älteren Mitbürger expandieren und belasten die kommunalen Haushalte mit steigender Tendenz. Das Focusieren der Verantwortlichen auf stationäre Einrichtungen wie Senioren- und Pflegeheime wird sich allein schon aus ökonomischen Gründen nicht weiter vertiefen lassen. Kranken, älteren oder pflegebedürftigen Menschen sind alternative Ideen und Wohnkonzeptionen aufzuzeigen, die das Verbleiben in den eigenen vier Wänden ermöglichen. Ambulante Dienstleistungsanbieter, die eine ganzheitliche und den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen angepasste Versorgung und Betreuung gewährleisten, unterstützt durch ehrenamtliches Engagement z. B. in Form von Nachbarschaftshilfen gewinnen in jüngster Zeit eine gänzlich neue Aktualität.
Bei einer näheren Betrachtungsweise erkennt man jedoch, daß diese Konzepte nur vordergründig etwas Neues beinhalten. In Wirklichkeit greifen sie auf alte Traditionen mitmenschlichen und christlichen Handels zurück. Für die Kirchen, die katholischen Ordensschwestern und die evangelischen Diakonissen gehört der Dienst am Nächsten seit jeher mit zu den primären Aufgaben ihres Tuns. Sie haben Sozialarbeit geleistet, als der Begriff als Wort noch nicht in unserer Sprache existierte. Ihre ambulante Pflege zu Fuß und später mit dem Fahrrad – ohne unsere heutigen rechtlichen und finanziellen Absicherungen – prägten viele Gemeinden. Die „Gemeindeschwester“ ist und bleibt vielen in guter Erinnerung.
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